Samstag, 5. Mai 2012

Wie Sie Lügner(innen) entlarven

Lügen kommen nicht einfach auf kurzen Beinen daher oder machen sich über lange Nasen bemerkbar. Wir lügen ja schon als Kinder. Das Lügen lernen wir von unseren Vorbildern. Bei allen Hinweisen auf etwaiges Lügen ist Vorsicht geboten. Zwei bekannte Autoren, die sich eingehend aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit der Lüge beschäftigt haben, weisen darauf hin, dass die „Lügensignale“ einzeln eher nicht bewertbar sind.Einzelne Hinweise auf das Lügen können also in die Irre führen. Der Emotionsforscher Paul Ekman (Ich weiß, dass du lügst) und der ehemalige FBI-Agent Joe Navarro (Menschen lesen) kommen in dieser Hinsicht zum selben Schluss: Es bleibt schwierig und geht doch.

Der Mund lügt, die Gefühle sprechen

Joe Navarro schließt aus seinen vielen Erfahrungen, dass Menschen, die Lügen, sich in der Regel nicht wohlfühlen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Unwohlsein wiederum zeigt sich in angestrengtem Ausgleichsverhalten. Denn Lügen ist eine intellektuelle Leistung. Der Lügner muss permanent das schon Gesagte mit dem Folgenden abgleichen und er muss es konstruieren. Das ist anstrengend und das macht sich bemerkbar. Auch hier gilt, wer immer die Wahrheit sagt, braucht kein gutes Gedächtnis. Anzeichen für die Anstrengungen und das Unwohlsein eines Lügners sind möglicherweise folgende:

Körperliche Reaktionen 

Lügen können sich physiologisch zeigen. Der Herzschlag beschleunigt, man beginnt zu schwitzen. Der Blutdruck steigt. Der Körper schüttet Stresshormone aus. Lügner kommen immermehr in eine Kampf oder Fluchthaltung - das erklärt auch die oft wachsende Aggressivität bei Lügnern im Gespräch (Du bezichtigst mich also der Lüge!!! - Motto: Wer schreit hat meistens etwas zu verbergen). Lügner neigen dazu sich zu verhaspeln, zu schnell zu sprechen oder immer weniger zu sagen. 

Ausgleichsaktivitäten zur Beruhigung

Wer lügt fühlt sich unter Umständen dabei unwohl. Ausnahmen sind Profilügner und Psychopathen. Für normale Menschen ist es anstrengend und man muss auf der Hut sein. Zur Beruhigung erfolgt erhöhte Aktivität: Haltungsänderungen, Fußwippen, Fingertrommeln, abgehackte Gestik. Klare Anzeichen von Unbehagen sind beispielweise, wenn sich jemand die Schläfen oder den Nacken reibt oder über den Hinterkopf streicht.

Abschotten und Barrieren bauen

Menschen, die sich unsicher und unwohl fühlen neigen dazu Hindernisse aufzubauen und Gegenstände als „Schutzschilde einzusetzen“. Sie nutzen einen Aktenorder, den sie vor die Brust halten, einen Stuhl oder Tisch, hinter den sie sich stellen. Oder sie nutzen Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, um eine „Barriere auf dem Tisch zu bauen“. Dazu eine kleine Geschichte von Joe Navarro.
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